Testversionen
(oder "Fälschungen aus dem Katalog"?)

 


Bitte beachten: Diese alten Schlumpf-Seiten meiner Homepage sind auf dem Stand von 2004 und werden NICHT mehr upgedated.


Hält man einem Schlumpfsammler eine "Testversion" eines Schlumpfes vor die Nase, dann bemerkt man sofort, was für einen Sammlertyp man vor sich hat.

Der eher gutgläubige Sammler bekommt hier gleich leuchtende Augen und zückt schon mal seine recht locker sitzende Brieftasche. Während der eher misstrauischen Sammler (wie ich) sofort damit anfängt die "Echtheit" dieser Testversion und den Preis dafür zu hinterfragen.

Was ist eigentlich eine "Testversion"?

Dieses Wort ist wohl eine Erfindung von bestimmten Händlern im Sammlermarkt. Der Sammler soll hier wahrscheinlich denken, dass es sich bei der Figur um einen "Prototypen" handelt. Also eine von ganz wenigen Testfiguren, die der Hersteller (Schleich oder Bully) produziert hat, um unterschiedliche Bemalungen auszutesten.

Doch - überlegen wir mal - wie viele "Prototypen" braucht es wohl, um eine Bemalung zu testen? 50 ... 10 ... oder gar nur einen einzigen? Und wie wahrscheinlich ist es, dass diese wenigen Prototypen dann auch in den Handel gelangen und an Sammler verkauft werden? Und das in so grossen Stückzahlen, dass es sich rentiert, diese samt Angabe des gängigen Marktpreises in Sammlerkatalogen aufzuführen?

Es gibt hier wohl einige Händler im Sammlermarkt, die ab und zu kreativ werden und "Testversionen erfinden" um den Wert der Schlümpfe die sie auf Lager haben zu erhöhen.

Auch von Schleich hört man ja, dass es sie immer wieder amüsiert, was für neue Farbvarianten unter Sammlern auftauchen. Aber Schleich selbst gibt ja prinzipiell keine Informationen über ihre Produktionen an den Sammlermarkt raus. Also auch nicht an die Autoren der Schlumpfsammlerkataloge.



Kurios ist, dass solche "Testversionen", bei denen völlig unklar ist, wann und wo sie ihre ungewöhnliche Bemalung erhalten haben, dann unter Sammlern zu akzeptierten Sammlerobjekten werden, wenn sie in einem der beiden gängigen Schlumpfsammlerkataloge (der "Schlumpf Katalog" von Smörfers und der "Comicfiguren Preiskatalog" von KMS) abgebildet werden. Was gedruckt ist, glauben die meisten Leute halt.

Doch man muss schon etwas überlegen: Die Schlumpfpreiskataloge werden von Händlern geschrieben und es ist natürlich das ureigenste Interesse von Händlern, Schlümpfe so teuer wie möglich zu verkaufen. Die Autoren der Schlumpfpreiskataloge verdienen ja selbst an den hohen Preisen, die sie für die "Testversionen" in ihren Katalogen angeben.

Zudem ist eine "jetzt noch grössere" Anzahl an Varianten auch immer ein Verkaufsargument für jeden neuen Schlumpfkatalog. Und es handelt sich bei den Autoren der beiden Kataloge ja um konkurrenzierende Firmen aus dem Sammlermarkt. Wenn man die aktuellen und die älteren Versionen diese beiden Kataloge (siehe Bild oben) vergleich, dann könnte man meinen die Autoren liefern sich ein Wettrennen, wer mehr Varianten anzubieten hat.

Besonders die neuesten Ausgaben der beiden Kataloge (KMS von 2002 und Smörfers von 2003) quillen förmlich über mit "Testversionen" und "neu entdecken extem seltenen Varianten". Natürlich immer zu gesalzenen Preisen.

Hier werden - so meine Vermutung - ab und zu auch Figuren in die Kataloge aufgenommen, die in dieser Bemalung oder mit diesem oder jenen Zubehör, nie die Produktionsstätten von Schleich oder Bully verlassen haben.

Hier ein Beispiel wo das möglicherweise so geschehen ist:

Bis in's Jahr 1999 ging die Schlumpfsammlerwelt davon aus dass es von der Figur "Majorette" nur diese beiden Varianten gibt - mit Stiefeln in violett und pink. Auch in den damals aktuellen Ausgaben der Schlumpfsammlerkataloge von Smörfers und KMS und in allen Schlumpfprospekten von Schleich gab es nur diese beiden Versionen.

Doch siehe da, 1999 taucht plötzlich eine blaue Version dieser Majorette auf. Erstmals erwähnt wird sie im Smörfers Katalog 2000 (Text: "Andere Bemalung, Testversion" Preis 50 Euro). In der Ausgabe 2002 taucht sie dann auch im KMS Katalog auf und in der 2003 Ausgabe vom Smörfers Katalog soll sie angeblich schon 100 Euro wert sein.

Doch woher kommt diese "Sonderbemalung"? Von Schleich oder von einem Händler im Sammlermarkt, der eine mittelgrosse Stückzahl unbemalter Rohlinge von der Figur ergattern konnten und die mit diesen Farben bemalt hat?


Wer gedacht hat, die "Blaue" Majorette wäre die letzte Variante dieser Figur, die es zu "entdecken" gab, der hat wohl die "Kreativität im Schlumpfsammlermarkt" unterschätzt.

2003 ist eine weitere, natürlich noch "seltenere" und noch "teurere" Variante der Majorette aufgetaucht - in beige. Im Februar 2003 wurde sie das erste mal bei Ebay versteigert. Obwohl bis dahin noch nie etwas von dieser Figur zu hören war, hat das gutgläubige Sammler nicht davon abgehalten, verrückt hohe Gebote darauf abzugeben und die Auktion endete mit 102 Euro. Dabei hat der Verkäufer noch erwähnt, dass er für die Echtheit nicht garantieren kann.

Und siehe da, im neuesten Smörfers Katalog, der im Mai 2003 erschienen ist, ist die Majorette in dieser Bemalung auch enthalten. Als "Testversion" um 220 Euro. Nicht gerade billig für eine Figur deren Herkunft ziemlich zweifelhaft ist ...

Oder nehmen wir mal diese Figuren:



Sie sind in diesen Farben alle erstmals im KMS-Katalog (Ausgabe 2002) aufgetaucht. Bis dahin waren sie nicht im Smörfers Katalog und es gab sie auch auf keinen Schleich Prospekten.

Alle auf dieser Seite abgebildeten "extrem seltenen Varianten" haben wir in unserer Sammlung. Aber wir haben nicht viel Geld dafür ausgegeben. Wir haben einfach gängige Version dieser Schlümpfe genommen und in den Farben, wie im Katalog abgebildet, umbemalt.

Nur, was wir können, können Händler, die damit Profit machen, auch. Es gibt wohl keine Garantie dafür, dass die Figuren in diesen ungewöhnlichen Bemalungen von Schleich so bemalt wurden. Einem verletzten Schlumpf eine gelbe Fussbinde zu malen, ist beispielweise etwas, das in einer Minute geschehen ist. Und wenn man die richtige Farbe hat, dann ist es auch praktisch nicht zu erkennen, ob dieses Gelb nun original ist oder nicht.

Leider sind nicht alle Sammler so ehrlich, dass sie solche Umbemalungen nur für die eigene Sammlung machen (bzw. beim Verkauf zugeben, dass sie umbemalt wurden, so wie wir es bei unseren Comix Non-Realisticos machen).

Schlussendlich weiss bei den meisten Figuren wohl niemand wirklich, woher die ungewöhnliche Bemalung nun kommt. Wenn sie nicht von Schleich kommt, sondern von Händlern oder Sammlern, dann kann man wohl von einer Fälschung sprechen und dann sind diese seltenen Varianten wohl auch nicht die hohen Preise wert, die in den Katalogen stehen und die oft bei Ebay dafür gezahlt werden.

Ein Kapitel wo die Katalogautoren meiner Meinung nach, wirklich zu weit gehen, sind die vielen angeblichen Testversionen von diversen Superschlümpfen, bei denen die Zubehörteile andere Farben haben als die gängigen Versionen. Diese Zubehörteile sind zwar nicht übermalt (denn daran würde man eine Fälschung leicht erkennen) aber die meisten von ihnen kommen überhaupt nicht aus "Schlumpf-Produktionen".

Sowohl Schleich als auch Bully hatten ja im Laufe der Jahre viele verschiedene Serien von Comicfiguren im Programm und um Formenkosten zu sparen, wurden hier die selben Zubehörteile einfach für die verschiedensten Figurenserien verwendet. Man machte halt meist einen kleinen Unterschied indem man den Teilen eine etwas andere Farbe gab.

Die Schlumpfine mit der grünen Küche oder der Papaschlumpf im lila Schaukelstuhl sind solche Beispiele. Sie stammen aus der Schleich Figurenserie "Alfred J. Kwak". Aus der selben Serie stammt auch das elfenbeinfarbige Bett und der milchweisse Frisiertisch. Diese 4 Superschlümpfe mit den Zubehörteilen einer anderen Figurenserie sind laut dem neuesten Gaschers/Smoerfers Katalog alles "Testversionen" und ihr Wert wird mit nicht weniger als 250 Euro angegeben.

Hierzu eine Information die wir von unserem Schlumpfsammlerkollegen Pit(uffo) zugeschickt bekommen haben:

Aus der Alfred J. Kwak Serie gibt es folgendes "Schlumpf"-Zubehör in anderen Farben:
- Lebensretter-Stuhl in braun
- Geschlumpfe Boot hell/dunkelbraun
- "Schlumpfhof" grünes Grundmaterial
- "Schlumpfmühle" grünes Grundmaterial
- Brunnen dunkelgrau/dunkelbraun
- Gabelstapler Kette dunkelbraun
- Auto in grünem Grundmaterial
- Küche in grünem Grundmaterial
- Garderobe weißes Grundmaterial
- Bett weißes Grundmaterial
- Schaukelstuhl lila Grundmaterial Kissen
- Dreirad grünes Grundmaterial
- Gartenzaun in grau
- Pilz mit weißen Blumen
- Playset (Teichform), das oft als Schlumpfplayset angeboten wird ... etc.

(Vielen Dank an Pituffo für die Info und den Scan vom Schleich Katalog)

Facit: All dieses angebliche Schlumpf Zubehör in anderen Farben kommt zwar von Schleich und ist sicher auch selten, aber mit Schlümpfen hat das nichts zu tun. Wenn die Katalogautoren aus diesen Teilen nun super-teuere "Schlumpf Testversionen" machen, ist das eigenlich nichts anderes als "Sammlerverarschung"!

Ich zieh jedenfalls für mich daraus den Schluss, dass wohl fast alle diese "Varianten" auf diese Art entstanden sind. Entweder von Händlern angemalt oder mit Figurenteilen kombiniert, die gar nicht zu Schlümpfen gehören und das in relativ kleiner Auflage, damit sie schön selten sind und man schön viel dafür verlangen kann. Schlumpfsammler lassen sich halt besser "melken" als z.B. Alfred J Kwak-Figurensammler, denn es gibt einfach wesentlich mehr von ihnen.

Man kann in den neuesten Schlumpfkatalogen schon fast nach der Regel vorgehen: "Je teurer eine Variante ist, desto weniger echt ist sie".

Wer für derartige angeblichen "Testversionen" oder "Prototypen" viel Geld ausgibt, der könnte sich eigentlich genauso gut beim Gemüsehändler um die Ecke ein Grundstück auf dem Mond kaufen. Ist in etwa gleich sinnvoll als für eigentlich komplett wertlose Plastikteile so viel zu auszugeben, nur weil einem eingeredet wird, wenn sie genau diese und jene Farbe haben, dann sind sie unheimlich wertvoll. So zumindest meine Meinung.

Andrerseits muss man auch sagen, viele Sammler interessiert das recht wenig, woher so eine "Testversion" kommt. Die glauben einfach bedingsungslos alles was in den Katalogen steht und wenn jemand, der genug Geld hat, unbedingt eine Majorette in blau oder in beige haben möchte und es ihm egal ist ob die Bemalung nun von Schleich kommt oder nicht, oder wenn er unbedingt eine Schlumpfine mit grüner Küche haben muss, auch wenn die Küche aus einer anderen Figurenserie stammt, dann muss er natürlich selber wissen wie viel Geld er dafür ausgeben will. Es ist ja nicht mein Geld ...

Aber es muss wohl kein Schlumpfsammler seine Sammlung als "unkomplett" erachten, wenn er diese "Testversionen" nicht besitzt. Wer nur die Schlümpfe sammelt die auch im Handel waren (Was ich eigentlich jedem anraten würde!), braucht sie ohnehin nicht ...


Zu diesem Thema passend, hab ich kürzlich eine kleine Auflistung gemacht, bei welchen Farb- und Formvarianten von Normal- und Superschlümpfen ich keine Bedenken hätte, dass es sie je gegeben hat. Hier klicken


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